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Alt 28.12.2007, 16:56
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Zitat von LaPalma Beitrag anzeigen
Sehr schnell wird alles mit dem Reizwort „Kommerzialisierung“ gebrandmarkt und verteufelt.
Gleichzeitig fordern oft dieselben Poster Professionalisierung ein. Wie im Berufsfußball allerdings professionell und erfolgreich gearbeitet werden kann ohne Kommerzialisierung – also hier: Geldbeschaffung – verraten sie nicht.
Hallo LaPalma!
Das ist nicht ganz richtig. Darüber wurde sich hier sogar sehr tiefsinnig unterhalten. Man hat z. B. gemeint, dass es für einen kleineren Verein wie Alemannia klüger wäre, Nischen zu besetzen und das vorhandene Image zu pflegen, statt sich einfach nur in den Mainstream einzureihen. Für dieses besondere Image haben sich die Medien jedenfalls eine zeitlang sehr interessiert und dem Verein so viel Aufmerksamkeit geschenkt wie wohl nie zuvor in seiner Geschichte. Wer die derzeitige Entwicklung aus der Nähe verfolgt, gewinnt jedoch den Eindruck, dass die Eigentümlichkeit des Vereins geopfert wird, weil sein Ruf als Hort des "puren Fußballs", der die Menschen bundesweit so fasziniert hat, den Verantwortlichen nicht gut genug ist. Also her mit dem Brimborium, das man aus anderen Arenen kennt, her mit Maskottchen, her mit Allerweltsfanartikeln, her mit Alemannia TV. Wessen Bedürfnisse sollen da eigentlich befriedigt werden?
Will man so überregionale Strahlkraft entwickeln? Fans aus Regionen locken, wo bereits ein anderer Fußballclub genau das alles bietet? Womöglich noch größer, noch bunter, noch knalliger und fetziger als hier? Das kann nicht klappen.
Statt das emotionale Erlebnis Tivoli zu vermarkten, das zugegeben nicht immer salonfähig und komfortabel ist, mühen wir uns zunehmend damit ab, den Vorbildern aus Gladbach, Köln und anderer Austauschware nachzueifern. Nicht von ungefähr geht das Interesse an der Alemannia zurück. Auch Leute, die mit Alemannia oder dem Gastverein nichts zu tun haben und aus purer Neugierde zu einem Spiel anreisen, wie in den letzten Jahren, trifft man dieser Tage nur noch selten. Warum soll man sich auch die Mühe machen? Schließlich ist es hier doch so wie überall. Das hat sich inzwischen herumgesprochen. Der Abstieg und die sportliche Talfahrt tragen zwar auch zur derzeitigen Tristesse bei, da ein Zweitligist natürlich für die Medien nicht so interessant ist wie ein Erstligist und ein stetes Bedürfnis nach neuen Schauplätzen und Geschichten besteht. Aber das ist alles nicht der Hauptgrund für das derzeitige Desinteresse. Wer über den eigenen Tellerrand hinausschaut, kann sehen, wie man sich im Schatten anderer Clubs zu grauen Mäusen entwickeln kann. Dafür gibt es genügend warnende Beispiele (1860, Fürth, Bochum).

Niemand hat etwas dagegen, dass die Alemannia Geld verdient. Im Gegenteil. Diskutiert wurde lediglich über das "Wie". Über Wege, die zu beschreiten vielleicht mehr Mut erfordert, die sich jedoch als erfolgreicher erweisen könnten, weil sie die Fans emotional und individuell ansprechen. Für nicht wenige die große Chance. Man ist dabei, sie zu verpassen.

Gruß,
UA
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Meine Stadt, mein Verein!

Geändert von Urbs Aquensis (28.12.2007 um 17:00 Uhr)
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